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Nidleloch

Kletternd, hangelnd, spreizend, balancierend und suchend geht’s abwärts. Eine feine schmierige Schicht fordert Aufmerksamkeit und ein gutes Gleichgewicht. Manchmal verlieren sich die Lichter in hohen Schloten, manchmal füllen sie die engen Gänge komplett aus. Vorbei am Trockensee und am Sauschwänzli verlassen wir den sogenannten Hauptgang und folgen Goerbs „blindlings“ weiter abwärts. Eine erste Abseilstelle bremst die vorwärts drängende Gruppe, es folgen noch weitere zwei. Die letzte hats dann in sich. Rund 16 Meter geht’s in die Tiefe. Das schaffen ja eigentlich alle mit links, aber, wir müssen ja da wieder hinauf. Mit Steigklemmen, über schmierige Felsen, entlang einem Spalt, indem sich einmal das Seil, ein andermal der Schuh verklemmt. Ich pendle einmal nach links, dann nach rechts, komme manchmal nur Zentimeter aufwärts, strample und knorze, höre die guten Zurufe von unten und von oben. Schliesslich hilft der Zweitjüngste dem (mit Abstand) Ältesten aus dem Loch hinauf in die Waagrechte. Merci Roger. Bevor wir also die besagte Stelle mehr oder weniger gut meistern, kriechen alle in den elend engen Märchengang. Alle ausser ich. Weshalb? – Ich will wieder einmal das Gefühl erleben, allein unter Tag zu sein. Ich verkrieche mich in einen Nebengang, liege auf die feuchte Lehmschicht und lösche die Karbidlampe. Nach den letzten leiser werdenden Stimmen der andern wird es unheimlich still. Ich werde innerlich ganz ruhig, so ruhig, dass Gedanken an Gott und die Welt bald von einem leichten Dösen abgelöst werden. Irgendwann vernehme ich wieder die Stimmen der Zurückkommenden – die Gegenwart hat mich wieder. Das Nidleloch hat unbestreitbar seine Reize. Es sind weniger Tropfsteine und Sinterformationen, die man von andern Höhlen her kennt. Hier sind die ganz unterschiedlichen Gangquerschnitte mit den vielen kurzen Kletterstellen besonders. Besonders auch darum, weil man beim Begehen einander helfen muss, respektive darf. Und das hat mich auch beeindruckt. Wir gingen miteinander buchstäblich durch Dick und Dünn, halfen einander mit guten Tipps und nach der gut achtstündigen Tour auch mit Durchhalteparolen. Unterstützt wurden wir durch die ruhige und kompetente Art des Nidleloch-Veteranen Goerbs (Oder wie nennt man einen, der bereits ein Dutzend Mal durch diese engen Röhren gekrochen ist?). Goerbs, hab vielen Dank dafür. Und den andern mit den unzähligen blauen und roten Flecken an Beinen und Armen wünsche ich eine gute Heilung. (Ich kam übrigens auch nicht ganz ungeschoren davon …).

 

Teilnehmer: Franziska Suppiger, Silvan Fischer, Guido Studer, Pascal Stadelmann, Tobias Müller, Martin Riedweg, Roger Emmenegger, Marco Goerbs Steiner, Richard Portmann Richard Portmann