· 

Cima di Catögn

 

 

Cima di Catögn 7. bis 9. September 2023

Nicht klimafreundlich, aber flexibel haben wir uns zu viert, unabhängig vom ÖV-Netz, mit dem Privatauto auf die dreitägige Tour, die prächtiges, spätsommerliches Wetter versprach, auf den Weg ins Tessin gemacht.

Im Valle di Vergeletto ist das mit dem ÖV sowieso so eine Sache. Obwohl nur 15 Kilometer Luftlinie von Locarno entfernt, ist es eines der abgelegensten Täler des Tessins.

Nach einigen Kilometern auf der Talstrasse erreichten wir einen kleinen Parkplatz, wo ein Feldweg rechts einmündete. Während wir die Wanderschuhe schnürten und die Rucksäcke schulterten, legte Schösu noch eine extra Trainingseinheit ein. Er fuhr das Auto zurück nach Zott und ist dann später wieder zu uns gestossen. Auf diesem Feldweg gelangten wir zum Weiler Pièi (1076 m). Ab Pièi wurde es steiler. Zuerst in einem schattenspendenden Buchenwald und ab der (verfallenen) Alpe del Pianaccio (1585 m) durch einen lichten, mit Lärchen bewachsenen, gerölldurchsetzten Hang. Schweisstreibend, gewannen wir an Höhe. Bis zur Capanna Ribia stieg der Weg stetig.

Die Capanna die Ribia ist eine einfache Selbstversorger-Hütte, die noch den Charme des ursprünglichen Tessins ausstrahlt und sich harmonisch in die eindrucksvolle Landschaft unterhalb der zerklüfteten Wand des Rosso die Ribia einfügt.

Die schöne Terrasse mit dem Granittisch und das gut ausgestattete Getränke-Depot luden geradezu ein, bei einem Hütte-Apéro zu verschnaufen und die grossartige Aussicht zu geniessen.

Bevor die wärmenden Sonnenstrahlen schwächer wurden, hat sich Ruedi in der Küche zu schaffen gemacht. Wie könnte es anders sein, im Tessin gehört ein feiner Risotto mit Steinpilzen (aus dem Entlebuch) auf den Tisch!

Pragmatisch, wie Schösu nun mal ist, fand er im Schopf eine Festgarnitur, die wir hinter der Hütte aufstellten, um in der Abendsonne den feinen Risotto con funghi zu geniessen.

Ich weiss nicht, lag es an der geselligen Runde, den überfüllten Mägen oder vielleicht am Wein, wir kamen auf die Idee für einmal keinen Member of the Year, sondern ein Wort des Jahres, oder das Outfit des Jahres zu wählen! Unser Favorit war eindeutig „unterhungert“ und Ruedi wäre garantiert für das Outfit des Jahres nominiert.

Ein neuer Tag erwachte. Den „Uomo Tondo“, den grossen Steinsoldaten (Mandli), den wir gestern noch von der Hütte aus gesehen haben, versteckte sich heute im dichten Nebel. Von der Capanna die Ribia folgten wir über sanftes Weidegelände dem Wanderweg bis zum Sattel zwischen Salariél und Uomo Tondo. Der Nebel lichtete sich langsam und wir konnten in den mit kleinen, Seen bespickten Talkessel unterhalb der Gemelli blicken. Auf dem Cima di Catögn liess sich unterhalb des Nebelmeeres vieles nur erahnen. Windgeschützt haben wir Mittgasrast gemacht und konnten dabei in der Ferne kreisende Adler beobachten.

Zum Teil über Blockhalden gelangten wir zur Bocchetta die Cansgéi, ab hier auf einem bequemen Bergwanderweg zum Lago d’Alzasca. Ein Juwel, umrundet von majestätischen Bergen und alpiner Flora. Freibad und Lebensqualität vom Feinsten. Es haben sich nur die Männer ins kühle Nass gewagt, wir Frauen begnügten uns mit einem Fussbad.

In der Alzasca-Hütte wurden wir herzlich von Salome und Florian, Hüttenwarte auf Zeit, begrüsst. In den Liegestühlen und kühlen Getränken, haben wir uns bis zum, ebenfalls feinen, Nachtessen erholt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück stiegen wir durch den Wald nochmals zum Lago d’Alzasca hinauf. Windstill und spiegelglatt lag er da zwischen Lärchen, überragt von steilen Flanken. Ein gut erhaltender Weg führte uns zur Borcchetta di Doia (2051 m).

Hier trennten sich unsere Wege. Während Ruedi und ich durchs Valle della Camana zurück nach Vergeletto abstiegen, haben sich die beiden „Berufspensionierten“ zu einer weiteren Hütte, zur Capanna Canaa aufgemacht.

 

Tourenleiter: Ruedi Bühlmann / Bericht: Bernadette Erni / Bilder: Schösu Bucher / Teilnehmerin: Ida Bucher